HB BZ-6000 Modifikationen

Prinzipiell ist der 6-saitige E-Bass BZ-6000 von Harley Benton in meinen Augen und Ohren ein gutes Instrument. Erst recht, wenn man seinen Preis berücksichtigt. Doch es gab durchaus noch etwas Luft nach oben, ohne das gute Preis-Leistungs-Verhältnis gänzlich zu zerstören:

  • Saiten
  • Halseinstellung
  • Brücken
  • Mechaniken
  • Zugang Halsspannstäbe
  • Schaller S-Locks

Die ausgeführten Arbeiten greifen teilweise ineinander. So hängt z.B. die Saitenlage von den Saiten, der Halskrümmung und der Einstellung der Brücken ab.


Saiten

Die originalen Saiten sollen von D’Addario sein. Mag stimmen. Die fette 130er B-Saite war aber wegen der Saitenführung durch den Body geknickt und klang irgendwie etwas stumpf. Ich zog Warwick Black Label Nickel M6 Saiten auf. Die verjüngen sich zum Ballend hin und lassen sich dadurch viel geschmeidiger um die Ecke biegen. Die Saite liegt auch mit dem dünneren Bereich auf dem Reiter der Brücke auf, weswegen ich diese Brücke etwas höher einstellen musste. Als Lohn klingt jetzt auch die B-Saite richtig klar und voll und hat auch ein viel besseres Sustain. Gut investierte 30 Euro.

Halseinstellung

Ab Auslieferung war die Halseinstellung grauenhaft. Ich hatte das nach dem Kauf des Basses hier beschrieben. Durch die neuen Saiten musste ich nochmal an die Saitenlage ran, natürlich in Verbindung mit der Brückeneinstellung. Der Hals ist jetzt beinahe kerzengerade und die Saitenlage schön flach.

Brücken

Die Oktavreinheit an diesen Brücken einzustellen ist ätzend. Wenn man nach dauerndem Entspannen und Spannen der Saiten endlich die richtige Position des Reiters (Böckchen, whatever) gefunden hat, verstellt sich dieser beim Anziehen der schräg angeordneten Klemmschraube wieder. Bei der Höhenverstellung werden die Reiter auch wieder mit Klemmschrauben fixiert. Da verschiebt sich allerdings nichts, man kommt einfach nur schlecht dran und tut sich wesentlich leichter, wenn man die Saiten nochmals entspannt. Ich stellte die Saiten so flach ein, wie es ohne Klirren oder Scheppern möglich war. Die Reiter der G- und C-Saite musste ich auf der Unterseite etwas niedriger feilen, weil ich sonst an diesen beiden Saiten keine schöne Saitenlage hin bekommen hätte. Bilder meiner Feilaktion gibt es leider nicht, nur Bilder der Werksbestückung mit einem abgeflexten Reiter.

Ich wollte die billigen Einzelbrücken (55 Euro der 6er Satz) durch etwas Vernünftiges ersetzen, aber es gibt schlicht und ergreifend kaum gute Alternativen. Die Babicz FCH-1 Solorail Einzelbrücken vielleicht, aber die stehen preislich nicht im Verhältnis. Ich würde sicher bis an die 200 Euro Grenze gehen, aber 430 Euro sind definitiv viel zu viel. Versucht hatte ich es mit einer günstigen Ibanez Brücke, sowie mit der Schaller 2000, die es leider wegen Auslaufmodell nicht mehr in Schwarz gab. Die Ibanez hätte man per Fräsung im Bass tiefer setzen müssen und die Schaller wirkte regelrecht popelig und undurchdacht, leider. Beide gingen wieder zurück. Die Schaller 3D gibt es nur für 4- und 5-Saiter. Alternativen suche ich noch… (Nachtrag: Von Hipshot gibt es tolle Brücken, bei denen sogar der Saitenabstand noch feinjustiert werden kann. Kostenpunkt innerhalb meines Rahmens… 🙂 )

Mechaniken

Die originalen Stimmmechaniken hielten zwar die Stimmung, hatten innerlich aber irgendwie Spiel und fühlten sich dadurch seltsam an, gerade wenn man mal eine Saite lösen musste. Ersatz kam von KLUSON. Die Tuner waren leicht zu tauschen und kosteten gerade mal rund 50 Euro.

Zugang Halsspannstäbe

Ab Werk war das Sichtholz der Kopfplatte beim Zugang zu den Halsspannstäben nicht weit genug ausgefräst worden. Man konnte den Innensechskantschlüssel nicht gerade aufsetzen, was natürlich sehr schlecht für die Spannstäbe ist. Ich klebte Malerkrepp auf die Kopfplatte, zeichnete mir die Umrisse der dreieckigen Abdeckung darauf und entfernte das Klebeband innerhalb dieser Markierung. Mit einem Dremel mit einem kleinen Fräser schaffte ich mir Platz. Immer nur ganz wenig Material weg gefräst, dann wieder mit dem Inbusschlüssel getestet. Als der Schlüssel sauber passte, nahm ich noch eine Kleinigkeit mehr vom Holz weg.

Schaller S-Locks

 


 

Logisch, wenn das alles ein Gitarrenbauer macht, überschreitet das schnell den Anschaffungspreis des Instruments. Aber ich bin Ba(s)stler und habe Freude daran, meine Instrumente etwas zu optimieren oder meinen Wünschen entsprechend etwas umzugestalten.

Ein Kommentar

  1. Hallo Stephan …

    Juchhu … ich bin nicht der Einzige … der gedacht hat, dass bei diesem Instrument der rechte Halsstab nach rechts und der linke nach links gedreht werden muss (um den Hals weiter nach hinten zu bekommen). Das gibt es tatsächlich aber nicht bei diesem Baseballschläger XXL.

    Mein Eindruck:

    Ein wundervolles gutes, edles, optisch ansprechendes Instrument und das nicht nur in Relation zum Preis, ehrlich. Denke mal, dass Angebot und Nachfrage für den Preis verantwortlich sind. Könnte auch noch ’ne 1 vor dem Preis stehen, so gut wie das Teil ist. Allerdings wären dann einige Anbauteile höherwertiger. Reine Kalkulationssache des Herstellers.

    Die Saiten habe ich durch Elixir Nanoweb Extra Long Scale (!) ersetzt und frage mich auch, ob das wirklich D’Addarios waren, die ich dafür runter getan habe. Die Elixire sind etwas teurer aber sollen lange halten. Der beschriebene „Knicks“ ist unauffällig, irgendwelche Kerben musste ich nicht vertiefen, Verdickung liegt überall auf. Die Saitenlage habe ich auf 2,7 – 2,2 mm eingestellt und dazwischen mit Auge und String-Gauge auf 9,5″ justiert. Basst 😉

    Halskrümmung hat auch bei mir einige Probleme bereitet, weil zwei Halsstäbe mir zuvor noch nie untergekommen sind. I.A. habe ich auf der Bass-Seite etwas mehr „Relief“ und dafür diskantseitig einen Tick straffer.

    Die Brücke ist nicht der Bringer, die Fummelei wie von Dir beschrieben nervtötend. Ich habe BABICZs auf meinem 5- und auch auf meinem 4-Saiter und kenne den Unterschied sehr wohl. Das „Body-Through“ gleicht aber die fehlende Masse aus und die Einstellung sollte ja nur einmal, dann aber richtig erfolgen. Daher bleiben die sechs Schlittschuhe bei mir dran.

    Die originalen Mechaniken sehen NUR gut aus, es mangelt an Präzision und Festigkeit. Hat man einen Tick zu hoch gestimmt, so ist der Schritt nicht sofort rückgängig zu machen. Da muss man erst nochmals tiefer runter und erneut von unten hoch. Ich habe ebenfalls durch KLUSONS ersetzt, allerdings goldfarben, weil … auch die Potiknöpfe bei mir jetzt goldfarben sind. Hatte ich noch übrig. Die schwarzen Originale sind aus Metall (Magnet-Test), grob gerändelt, steckbar und werden nicht geschraubt. Daher sind die anderswo verbaut.
    Diese Variante finde ich nirgendwo im Netz.

    Für die Halsspannstäbe sind bei mir schon längere und abgeschrägte Kerben drin, hat wohl jemand beim Hersteller angerufen. Das macht die Sache leichter aber nicht „fummelfrei“, wenn man die A- und G-Saite – so wie ich – nicht abheben – ja nicht mal lösen möchte.

    Zur Gurtbefestigung habe ich die Originale belassen und wie bei all meinen Bässen durch Gummidichtungen der guten alten Bügelflasche ersetzt. Und da suche ich noch schwarze, weil blau und rot sind wohl Standard, bestimmt weil die schwarzen nie zurück kamen ;).

    Alles in allem: Dieser Bass gehört vom Knochengerüst und auch von der Verarbeitung her in die Oberklasse. Der Preis wirkt da fast abschreckend. Die paar Zutaten wie Mechaniken, Saiten etc. kann man zunächst belassen und erst bei Bedarf nachrüsten. Am Spielspaß und am göttlichen Hals, samt Griffbrett ändert das nichts.

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